Mit Eiweiß gegen HIV
Glücklicherweise konnte die Forschung seit erstmaligem Auftritt einer HIV Infektion die medikamentöse Therapie gerade in den letzten Jahren immer weiter entwickeln. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass bei nachgewiesener HIV Infektion der Ausbruch von AIDS deutlich hinausgezögert werden kann und sich damit die Lebenserwartung der Betroffenen um viele Jahre verlängert. Dabei kommen derzeit zumeist Medikamentenkombinationen zum Einsatz, die oftmals mit massiven Nebenwirkungen behaftet sind und so die Lebensqualität HIV infizierter Menschen deutlich einschränkt.
Eine Heilung war bislang jedoch vollkommen ausgeschlossen ebenso wie medikamentöse Prävention. Deshalb wird nach wie vor rege Forschung am HI Virus betrieben, um einen Impfstoff, ein Heilmittel oder bessere Pharmazeutika zur nebenwirkungsärmeren und effektiven Behandlung infizierter Personen zu erreichen. Und gerade bei letztem Punkt konnten in der Forschung neue Erkenntnisse gewonnen werden, die eine schonende Behandlung von HIV Infektionen nach sich ziehen können.
Protein VIR-576 hemmt die Vermehrung des HI Virus
Die Problematik des HI Virus ist bekanntermaßen, dass es äußerst anpassungsfähig und flexibel ist. Erst einmal in den Körper eingedrungen, kann es sich so verändern, dass es eine den Körperzellen ähnliche Gestalt annimmt. Dadurch wird es vom Körper nicht als fremd wahrgenommen, so dass es ungehindert in die menschlichen Abwehrzellen eindringen und diese „arbeitsunfähig“ machen kann. Das Ergebnis ist bekannt: Der Körper weist im Laufe der Infektionsjahre immer weniger effektive Abwehrzellen auf. Das Immunsystem ist so geschwächt, dass selbst ansonsten ungefährliche Keime zum großen Gesundheitsrisiko werden.
Auch bisherige Therapieansätze zielen darauf ab, die Vermehrung des HI Virus im Körper zu hemmen, in dem man ihr Zelleindringen verhindert. Wie bereits erwähnt sind derzeit Medikamentenkombinationen die einzige Lösung auf diese Fragestellung. Leider greifen die meisten dieser Pharmazeutika auch gesunde Körperzellen an, weshalb HIV infizierte Menschen in Therapiephase vermehrt unter Haut-, Knochen- oder Nierenschäden leiden.
VIR-576 soll nun die Antwort auf dieses Problem sein. Es handelt sich dabei um ein Eiweiß, das sich an das HI Virus an dessen unanpassungsfähigster Stelle andockt. Die Veränderbarkeit des Virus wird dadurch herabgesetzt und es kann nicht mehr ungehindert in die Körperzelle eindringen. Folglich ist die Vermehrung unterbrochen.
Dieser Wirkmechanismus von VIR-576 konnte in klinischen Studien bereits an mehreren HIV Patienten nachgewiesen werden. Gleichzeitig kam dabei heraus, dass das Protein zwar auf das Virus einwirkt, die körpereigenen Zellen jedoch verschont. Damit sind Nebenwirkungen kaum noch festzustellen und begrenzen sich lediglich auf leichte Probleme mit dem Gastroenteraltrakt.
Leider findet VIR-576 derzeit nur innerhalb klinischer Studien seine Anwendung. Eine Zulassung als wirksame Medikamententherapie bei HIV Infektionen ist noch nicht in Sicht. Das langwierige Zulassungsverfahren wird zusätzlich noch durch die Tatsache erschwert, dass VIR-576 bislang nur als Infusion verabreicht werden kann und somit als Dauermedikation ungeeignet ist. Parallel zur weiteren klinischen Forschung mit dem Protein wird deshalb an der Entwicklung einer anderen Verabreichungsmöglichkeit gearbeitet.
Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass HIV infizierte Menschen außerhalb der klinischen Studien in absehbarer Zeit nicht von den neuen Erkenntnissen profitieren werden und es noch lange dauert, bis beispielsweise auf Banner Design mit diesem Produkt geworben werden darf.
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Foto: © www.Foto-Fine-Art.de / pixelio.de
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